„Während meiner Schreibphasen gelte ich bei Familie und Freunden als reichlich asozial“

Über 40 Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbücher hat Beatrix Mannel bisher geschrieben. Heute erscheint ihr Roman „Alabasterball“. Im Interview verrät die Autorin, worauf es beim Bücherschreiben ankommt.

Frau Mannel, glauben Sie, dass jeder Mensch einen Roman schreiben kann?
Ja, ich glaube, dass jeder Mensch schreiben kann, der das wirklich von ganzem Herzen will. 



Reicht Talent, um ein guter Schriftsteller zu werden?
Talent ist gut, aber Ausdauer und Zähigkeit ist noch viel nützlicher. In den meisten Fällen ist es ein langer Weg von der Idee zum Buch und das gilt nicht nur für den ​klassischen Printverlag. Außerdem braucht man natürlich gute Ideen und vor allem Begeisterung für Sprache, Worte und Formulierungen, für Metaphern und Poesie.



Was heißt das konkret?
Man muss seeeehr viel schreiben, neu schreiben, umschreiben, anders schreiben, damit ein Text entsteht, den jemand gern lesen möchte. Das ist ein bisschen wie beim Sport – man muss seine Schreibmuskeln stärken, um eine gute Performance liefern zu können.



Gibt es etwas, das Ihnen das Schreiben erleichtert?
Neben Musik hilft mir eine gute Vorbereitung und eine ziemlich strikte Routine. Also nix mit „warten, bis die Muse mich küsst“ – meiner Erfahrung nach küsst sie mich am liebsten dann, wenn ich viel arbeite – aber selbst dann nur manchmal. Während meiner Schreibphasen gelte ich in meiner Familie und bei Freunden als reichlich asozial. Zum Glück haben sich alle daran gewöhnt und sind nicht mehr so sauer auf mich wie früher. Gleich nach dem Aufwachen und einem Kaffee im Bett schreibe ich fünf Seiten und erst wenn die fertig sind, kümmere ich mich um alles andere: Mails beantworten, essen, Freunde treffen. Sport ist auch sehr hilfreich. 
Fast alle Schriftsteller gehen gern zu Fuß – das schubst Ideen an!​



Wenn Sie einen fiktiven Charakter entwerfen, orientieren Sie sich dann an Personen aus Ihrem Umfeld?
Nur sehr selten und wenn, dann so, dass es niemand merkt. Weil ich ein Anhänger der Theorie bin, dass sich jede Geschichte aus den Figuren heraus entwickelt, verwende ich sehr viel Zeit darauf, über meine Charaktere nachzudenken und sie mir vorzustellen.​



Wie war das bei Ihrem heute veröffentlichten Buch?


In „Alabasterball“ gibt es neben der deutschen Hauptfigur Amy fünf weitere Jugendliche aus verschiedenen Ländern, das war eine große Herausforderung. Herauszufinden, was ihnen wichtig war, was sie bis zum Anfang der Geschichte schon erlebt hatten und welche Glaubenssätze sie geprägt haben, das war eine sehr spannende Aufgabe.



Inwiefern hat sich der Schreibprozess dieses Buchs von den bisherigen unterschieden?
Ich habe schon Romane geschrieben, die ein magisches Element hatten, aber noch nie mit so starken Fantasyelementen. Ich komme ja aus dem eher realistischen Spannungsbereich, daher war „Alabasterball“ ein sehr interessanter Lernprozess. Eine Entdeckungsreise, die mir großen Spaß gemacht hat.

Sind Sie neugierig geworden? Mehr über Beatrix Mannel gibt es auf ihrer Webseite zu entdecken.

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